Agrartreibstoffe und Klimaschutz?

Ein Bericht von Dirk Werhahn

Sonne grün

Tempolimit sofort!

Im Wahlprogramm der GRÜNEN von 2005 ist zu lesen:„Unser Ziel bis 2020 heißt: „4×25“. Aus Erneuerbaren Energien, und nachwachsenden Rohstoffen wollen wir bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts ein Viertel der heutigen Stromversorgung, ein Viertel der heutigen Wärmenutzung, ein Viertel des heutigen Kraftstoffverbrauchs und ein Viertel der heute produzierten Güter der Chemischen Industrie herstellen. […] Langfristig wollen wir die industrielle Produktion von Gütern und Kraftstoffen umfassend auf eine regenerative Rohstoffbasis stellen. “

Die 25 Prozent Kraftstoffverbrauch aus nachwachsenden Rohstoffen werden nun in Frage gestellt. Hier die Risiken:

  • Flächenkonkurrenz zur Produktion von Lebensmitteln, Verteuerung und Hunger in ärmeren Ländern
  • Zerstörung von Regenwald und Natur.
  • Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion. Einfallstor für noch mehr Chemie, Kunstdünger und Gentechnik.
  • Beibehaltung der Verschwendungswirtschaft.
  • Industrielle Landwirtschaft in der Hand von Konzernen und nicht mehr in Bauernhand.

Auf dem Biomassekongress der Grünen in Baden-Württemberg geht Prof. Dr. Dr. h.c. Alois Heißenhuber (Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaus, TU München) in seinem Beitrag auf das Thema „Zur Konkurrenz von Bioenergie- und Nahrungsmittelerzeugung“ ein. Dabei wird u.a. deutlich, dass die Preise für Nahrung mit den Preisen für Agrarenergie zusammenhängen und dass die Agarpreise die Preise für Bioenergie belasten. Unabhängig davon sagt Heißenhuber (sinngemäß): Wenn wir heute ein Tempolimit einführen würden, dann könnten wir die Menge CO2 Emissionen reduzieren, die wir auch durch dem Ausbau der Agarkraftstoffe vermindern könnten.

Dr. Ludger Eltrop (Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, Universität Stuttgart) zeigt „Die Klimabilanz der energetischen Biomassenutzung“ auf und verdeutlicht, dass bei der Kraftstofferzeugung, ein großer Anteil der in der Pflanze gespeicherten Energie verloren geht. Außerdem sei die Emission der Treibhausgase nicht zu vernachlässigen. Er hebt hervor, dass ein nachhaltige Biomasseförderstrategie zwei grundlegende Anforderungen erfüllen muss:

  • Biomassenutzung im Hinblick auf Treibhausgas-Vermeidung optimieren
  • einen nationalen, europäischen und internationalen Ordnungsrahmen für einen umweltgerechten Anbau von Energiepflanzen entwickeln. Dieser Ordnungsrahmen kann nicht unbeachtet der vorhandenen Instrumente für eine umweltgerechte Landwirtschaft entwickelt werden.

Seine Schlussfolgerungen:

  • Die Klimabilanz der Bioenergie fällt je nach Rohstoff und Verfahren sehr unterschiedlich aus. Die Reststoffverwertung schneidet günstiger ab als die Energiepflanzennutzung, die Nutzung als Festbrennstoff in Kraftwärmekoppelung-Anlagen besser als die Nutzung als Kraftstoff.
  • Die Klimabilanz hängt sehr mit der (Gesamt-)Effizienz der Prozessketten zusammen. Die Nutzung von Koppelprodukten und Minderung von Verlusten muss verstärkt werden! Kraftstoffe der 2. Generation schneiden besser ab als Kraftstoffe der 1. Generation. Die Nutzung von Energiepflanzen in Biogasanlagen nur mit hoher Wärmenutzung!
  • Das Optimierungspotenzial für Verfahren und Technologien (Prod., Bereitstellung und Nutzung) und auch die Klimabilanz ist groß!
  • hohe Minderungspotenziale bestehen dort, wo CO2-intensive Technologien (Kohle, u. a.) ersetzt werden.

Mein Fazit:

  • Das Thema ist sehr kompliziert und komplex. Man kommt nicht umhin sich auch mit technischen Fragen zu beschäftigen.
  • Die Vorgabe ‚ein Viertel des heutigen Kraftstoffverbrauchs aus nachwachsenden Rohstoffen zu produzieren‘ ist langfristig nicht sinnvoll.
  • Auf Kraftstoffen basierende individuelle Mobilität (der Lebensstil) muss weiterentwickelt werden. Die Agarkraftstoffe bringen nicht die Klimaentlastung, wie gewünscht.
  • Biomasse bei Strom und Wärmeproduktion ist sinnvoll.
  • Tempolimit sofort.
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