Materialistische Wachstumsideologie ablösen

Gefunden und kommentiert von Dirk Werhahn

Bündnis 90/DIE GRÜNEN Baden-Württemberg werden die materialistische Wachstumsideologie westlicher und östlicher Prägung ablösen müssen, wenn die Menschheit noch eine lebenswerte Zukunft haben soll. Aus dem Wissen um die Endlichkeit unseres Planeten und dem Bewusstsein von den Zusammenhängen seiner Lebensgesetze muss an die Stelle der gewissenlosen Ausplünderung der Natur ihre verantwortungsbewusste Erhaltung und Pflege treten.

Nachzulesen sind diese Aussagen in der Präambel der Satzung von Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Landesverbandes Baden-Württemberg.

Die Präambel wurde am 26.01.1980 beschlossen. Also vor über 28 Jahren. Noch vor dem Fall der Mauer, der Globalisierung, dem Ausbau des Internets, des Mobiltelefons, des Privatfernsehen etc.

Was sagen die Grünen heute zu der These der Ablösung der materialistischen Wachstumsideologien? Nachstehend drei Aussagen von Daniel Mouratidis, die in den Grüne Blättern 01/2008 erschienen sind:

  • „Grüne Marktwirtschaft hat das Ziel, Wirtschaftswachstum von Klima- und Umweltbelastung zu entkoppeln.“
  • „Grüne Marktwirtschaft setzt auf Markt, Wettbewerb und Unternehmertum.“
  • „Ziel Grüner Marktwirtschaft ist es, dass möglichst alle Menschen zu fairen Bedingungen am Arbeitsmarkt teilhaben und ihre Existenz selbst sichern können.“

Stehen diese für die Ablösung der materialistischen Wachstumsideologien?

Wirtschaftswachtum wird als wichtig angesehen. Dahinter steht wohl die Annahme, dass mit dem Wirtschaftswachstum der Lebensstandard steigt. Auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung kann nachgelesen werden, dass Wirtschaftswachstum unter mengenmäßigen, materiellen Gesichtspunkten (quantitatives Wachstum) oder unter qualitativen Aspekten (qualitatives Wachstum) betrachtet werden kann: Quantitatives Wachstum zielt auf die rein mengenmäßige Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Produktion im Sinne der Zunahme des BIP ab. Qualitatives Wachstum beinhaltet neben der reinen Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Produktionsmenge die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen, die Schonung der Umwelt oder die gerechte Einkommensverteilung. Die Messung des qualitativen Wachstums und die Steigerung des Wohlstands in einer Gesellschaft ist jedoch mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden.

Ob es ein quantitatives Wirtschaftswachtum ohne belastende CO2-Emmissionen geben kann ist sehr fraglich. Ob qualitatives Wachtum die Mechanismen des Marktes (Vermehrung des Kapitals) befriedigt, ist ebenfalls sehr ungewiss.

Marktwirtschaft und Wettbewerb heißt, dass der Marktmechanismus bestehen bleibt. Dies bedeutet, dass es das Ausschlusskriterium Kapitel geben wird, so dass sich über die Knappheit der Gütern der jeweilige Marktpreis ergibt. Die Frage, inwieweit sich dieser Marktmechanismus auf ein qualitatives Wachstum übertragen lässt ist spannend und sicher ein Schlüssel dafür, ob sich die materialistische Wachstumsidelologie ablösen lässt.

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter. Mit dem Blick auf soziale, personennahe Dienstleistungen ist ein Ende der Arbeit nicht abzusehen. Jedoch ist die monetäre Ausstattung dieser Arbeitsbereiche nicht hoch. Das bedeutet, wenn sich noch mehr Menschen in diesem Bereich engagieren wollen, so werden nicht viele ein soziokulturelles Existenzminimum erwirtschaften können. Damit alle in Arbeit kommen, muss mehr Geld fließen. Dies kann über Wachstum gelingen. Die Folgen für die Umwelt – sollte die Entkoppelung von Klima- und Umweltbelastung nicht gelingen – werden jedoch sehr ausgeprägt sein. Darüber hinaus fallen in einer Dienstleistungsgesellschaft immer mehr Jobs weg, die auch für bildungsferne Arbeitssuchende eine Möglichkeit bieten, sich eine faires Einkommen zu verdienen. Ein Grundeinkommen (inkl. der entsprechenden Umverteilung) könnte einen entsprechenden Ausgleich schaffen, damit sich mehr Menschen ein soziokulturelles Einkommen selbst erwirtschaften können.

Zwischenstand: Die Präambel der Grünen in Baden-Württemberg gibt sich sehr kämpferisch. Die aktuellen Aussagen bleiben von der Radikalität deutlich zurück. Die Frage bleibt: Sind die Aussagen aus der Präambel oder die aktuellen Aussagen richtungsweisend?

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