Es gibt keinen grünen Atomstrom

In Beitrag von Dirk Werhahn

Es ist schon spannend zu sehen, wer sich in der Zwischenzeit zum Klimaschützer aufschwingt. Zwei Beispiele:

Das Deutsche Atomforum: „Wir sind der Überzeugung, dass die Nutzung der Kernkraft wesentlich zur Klimavorsorge beiträgt und eine wettbewerbsfähige und zuverlässige Energieversorgung gewährleistet. Damit erfüllt die Kernenergie alle Anforderungen, die an eine nachhaltige Energieversorgung gestellt werden.“

Die CDU mit ihrem Papier Bewahrung der Schöpfung. „Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und die Bewahrung der Schöpfung sind Kernanliegen unserer Politik. […] Im Rahmen unserer Klimaschutzstrategie streben wir eine Laufzeitverlängerung von sicheren Kernkraftwerken an.“ (Dieses soll auf dem Bundesparteitag am 1./2. Dezember 2008 in Stuttgart diskutiert und beschlossen werden.)

Wölfe im Schafspelz:

  • „Atomstrom ist Strom für die Zukunft“.
    Laut OECD reichen die Uran-Reserven noch für rund 150 Jahre. Durch eine Ausweitung würden die Reserven schnell dahin schmelzen.
  • „Atomstrom ist kostengünstig I“
    Der Preis für Atomstrom ist in Milliardenhöhe subventioniert: bei der Forschung, dem Bau der Anlagen und durch Verzicht auf marktgerechte Versicherung der Risiken.
  • „Atomstrom ist kostengünstig II“
    Die Kosten für die Atomkraftwerke haben die Stromkunden schon lange bezahlt. Alle Einnahmen fließen nun direkt in die privaten Kassen. Pro Tag pro Kraftwerk 1 Million Euro. Die Betreiber reduzieren den Strompreis nicht, sie wollen verdienen. Eine Verlängerung der Laufzeiten, wie von der CDU vorgeschlagen, würde laut Reinhard Bütikofer (Grüner Bundesvorsitzender) den Energiekonzernen noch einmal 250 Milliarden Euro bringen.
  • „Atomstrom ist kostengünstig III“
    Die Atomkonzerne RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW müssen für den Atommüll und den Rückbau stillgelegter Atomanlagen Rückstellungen in ihren Bilanzen bilden. Insgesamt sind etwa 29 Milliarden Euro zusammengekommen. In Deutschland gibt es 17 aktive und 19 stillgelegte Reaktorblöcke. Der Rückbau des AKW Stade soll die E.ON 500 Mill. EUR kosten. Das sich in den Rücklagen befindende Geld, müsste zumindest für den Rückbau reichen. Aber die Gelder verbleiben bei den Firmen und sind im Falle einer Firmenpleite verloren. Dann müssen die Kosten für den Atommüll und den Rückbau die Steuerzahler tragen. (Anders in der Schweiz: Dort werden die Rückstellungen in staatlich verwaltete Rückstellungsfonds eingezahlt.)
  • „Atomstrom – Riskio ist versichert“
    Nach dem Atomgesetz sind Schäden, die von deutschen Atomkraftwerken ausgehen, nur bis zur Höhe von 2,5 Milliarden Euro abgedeckt (§ 13 Abs. 3 AtG). Damit ist ein Tausendstel des wirklichen monetären Schadens abgedeckt. Wissenschaftler der Universität Münster haben ausgerechnet, dass ein Super-GAU im AKW Biblis Kosten von 2000 bis 2400 Milliarden Euro verursachen würde. Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland betrug 2004: 2215 Milliarden Euro.
  • „Atomstrom ist sichere Energie“
    Asse II zeigt welche Risiken die Atomenergie birgt. Radioaktiver Müll sollte für jahrtausende sicher abschirmt sein. Nach 40 Jahren in radioaktiver Salzlauge aber, droht dies zu scheitern – es gibt kein sicheres Endlager. Das finanzielle Risiko entsteht durch die so genannten Rückstellungen. Die Atomkonzerne RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW müssen für den Atommüll und den Rückbau stillgelegter Atomanlagen Vorsorge treffen und Rückstellungen in ihren Bilanzen bilden. So sind bis heute etwa 29 Milliarden Euro zusammengekommen. Das Geld verwalten die Atomstromkonzerne allerdings selbst und finanzieren damit ihre Geschäfte. Das bedeutet, dass diese Gelder im Falle einer Firmenpleite verloren sind.
  • „Atomstrom CO2-neutral“
    Eine Studie des Öko-Instituts zeigt: Atomstrom ist keineswegs CO2-frei. Bei der Urangewinnung werden zum Teil erhebliche Treibhausgasmengen frei gesetzt. Diese liegen bei weitem über denen der erneuerbaren Energien wie Windkraft, Wasserkraft oder Biogas. Ein Blockheizkraftwerk auf Erdgas-Basis kann mit der CO2-Bilanz von Atomstrom mithalten.

Fazit: Es wäre für die Atomindustrie zu schön, jedoch wird es nicht wahr. Atomstroms hilft nicht beim Klimaschutz. Aber es ist der Atomlobby gelungen, das Märchen Atomstrom um ein neue Kapitel zu verlängern: Nicht nur billig und sicher sondern jetzt auch noch klimafreundlich.

Und wenn sie nicht gestorben sind…

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2 Gedanken zu „Es gibt keinen grünen Atomstrom

  1. Hej Dirk,
    ist deine Webseite eigentlich CO2-neutral?
    Wenn nicht: http://www.co2stats.com/

    Aber immerhin produziert dein Provider ja auch ganz viel Solarstrom. Vielleicht müsstetst du dir von ihm bestätigen lassen, da deine Seite nur mit diesem Strom läuft…?

    Gruß
    Andreas

  2. Pingback: PatJe.de » Rückkehr der Atomenergie?

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